Evakuierung von Einwohnern aus russisch besetzter ukrainischer Stadt Oleschky begonnen
Im Rahmen einer örtlich begrenzten Waffenruhe ist am Freitag die Evakuierung von Einwohnern aus der russisch besetzten südukrainischen Stadt Oleschky angelaufen. "Die Evakuierung und die Verteilung humanitärer Hilfe haben begonnen", erklärte der ukrainische Unterhändler David Arachamia am Freitag in Onlinenetzwerken. Die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa veröffentlichte ein Video, das Gruppen von Menschen zeigt, die auf Busse warten. Einige würden nach Russland gebracht, andere in von Kiew kontrollierte Teile der Ukraine, sagte sie.
Vertreter aus Kiew und aus Moskau trafen am Freitag in Oleschky ein, um den Einsatz zu beaufsichtigen. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez hatte im Vorfeld mitgeteilt, sich gemeinsam mit der ukrainischen Delegation über Belarus und Russland auf den Weg nach Oleschky gemacht zu haben.
Lubinez veröffentlichte Videos, in denen er mit Bewohnern sprach. Einige der Bewohner bedankten sich bei Lubinez, weinten und wischten sich die Tränen aus den Augen. Es waren Gruppen von Menschen zu sehen, die bereit zur Abreise mit Taschen voller Habseligkeiten vor ihren Häusern warteten.
Das Weiße Haus hatte in der vergangenen Woche eine von US-First-Lady Melania Trump vermittelte Waffenruhe für Oleschky verkündet, die am Dienstag in Kraft trat und vorerst zu halten schien. Die bis Sonntagabend vorgesehene Feuerpause soll angesichts gravierender Engpässe bei Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten die Versorgung der Bevölkerung, Hilfslieferungen und die Evakuierung von Zivilisten in der Stadt ermöglichen.
Die örtlich begrenzte Waffenruhe ist die längste seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022. Mehrere andere Teil-Waffenruhen waren von Verstößen geprägt.
Oleschky liegt am Ufer des Dnipro in der Region Cherson im von Russland besetzten Süden der Ukraine und wird von beiden Armeen in die Zange genommen. Russland hatte die Stadt schon 2022 erobert. Von den ursprünglich 24.000 Einwohnern sollen sich noch etwa 2000 in Oleschky aufhalten. Einige der Menschen in Oleschky hätten damit begonnen, Tauben zu jagen und zu essen, schilderten ehemalige Bewohner die Notlage in der Stadt der Nachrichtenagentur AFP.
Trotz der Waffenruhe in Oleschky gingen die Angriffe auf andere Orte unvermindert weiter. In der zentralukrainischen Region Dnipropetrowsk waren nach russischen Angriffen in der Nacht Behördenangaben zufolge mehr als 200.000 Menschen ohne Strom. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Russland habe in der Nacht mehrere Regionen mit ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte derweil, die Luftabwehr habe in der Nacht mehr als 1000 ukrainische Drohnen abgeschossen.
Unterdessen traf Russlands Außenminister Sergej Lawrow russischen Staatsmedien zufolge zu einem Treffen der G20-Außenminister in den USA ein. Wie sein Ressort in Moskau tags zuvor mitgeteilt hatte, wird Lawrow bei dem Treffen auf eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland drängen.
Lawrows Teilnahme an dem G20-Außenministertreffen am Freitag und Samstag in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia findet im Vorfeld neuer Gespräche zwischen Vertretern aus Moskau, Kiew und Washington statt. Dabei soll versucht werden, auf ein Ende des Ukraine-Kriegs hinzuarbeiten.
(A.DuToit--TPT)